• 6. August 2018

„Stil ist die Kleidung der Gedanken.“*

Von Christina Hohmann
Textstil

„Stil ist die Kleidung der Gedanken.“*

Kleider machen bekanntlich Leute. Und der Stil macht den Text. Einen Text so einzukleiden, dass er attraktiv für seine Leser wird – das fällt unter stilistische (Fein-)Arbeit. Stilkorrekturen bügeln die Falten aus, kürzen, wo der Stoff zu lang ist, stopfen Löcher, kaschieren Problemzonen oder stimmen die Accessoires aufeinander ab. Bis am Ende alles passt und sitzt – dem Träger schmeichelt und dem Betrachter Freude macht.

Wenn Sätze holprig sind oder vor lauter aneinandergereihten Wörtern aus allen Nähten zu platzen drohen, dann ist eines recht wahrscheinlich: Der Leser ist gelangweilt oder wird im schlimmsten Fall sogar vergrault. Wie schade, weil doch der Inhalt attraktiv wäre und nur die Hülle nicht stimmt!

Nun ist es mit dem Stil eines Textes ähnlich wie beim Kleidungsstil: So wie man für die Party ein anderes Outfit wählt als für den Betriebsausflug, so klingt auch ein Facebook-Post lockerer als ein Geschäftsbericht – und ein Outdoor-Storyboard cooler als eine medizinische Fachzeitschrift. Zum Glück. Allen gemeinsam ist: Sie sollten verständlich und frei von Stolperfallen sein. Denken Sie immer daran, dass die Zeit Ihrer Leser genauso kostbar ist wie Ihre, und machen Sie es ihnen nicht unnötig schwer. Besser noch: Machen Sie es ihnen leicht!

Unsere vier ultimativen Stilregeln für mehr Drive im Text:

Verben, Verben, Verben.
Ein Satz mit Tätigkeitswörtern wirkt dynamisch und lebendig. Überfrachten Sie Ihren Text daher nicht mit Substantiven. Wenn Sie auf der Tastatur immer wieder die Shift-Taste für einen Großbuchstaben drücken, lohnt sich ein kritischer Blick: „Wir führen Reparaturarbeiten an Ihrem Auto durch“ kann man zwar sagen, muss man aber nicht, denn „Wir reparieren Ihr Auto“ bringt es besser aufs Papier.

Worthülsen vermeiden.
Besonders bei Substantiven wird oft etwas zu dick aufgetragen: Bei einem „Reparatur-Prozess“ lässt sich beispielsweise der „Prozess“ oft einsparen. Ähnliches gilt für die gerne angehängten „Maßnahmen“, „Tätigkeiten“ und „Verfahren“.

Konkret schreiben.
Konkret kann sehr erfrischend sein. Wenn die Werkstatt, statt „Autos zu reparieren“, schweißt, spachtelt, schleift und schraubt, dann riecht es doch gleich ein bisschen mehr nach ölverschmierten Overalls als nach schnödem Verwaltungsbüro. Jetzt aus den „Autos“ noch knatternde Trabbis, Flowerpower-Bullis, legendäre 911er machen, und schon läuft’s im Oldtimer-Geschäft!

Kurze Sätze.
Wer kennt das nicht? Der Kopf ist voller Informationen und man möchte so viele auf einmal loswerden, dass der Satz länger und länger wird. Doch genauso, wie der Koffer nicht mehr zugeht, wenn wir zu viel hineinstopfen, ist auch die Aufnahmekapazität des Lesers irgendwann erschöpft. Wie beim Kofferproblem hilft dann nur: weglassen, was nicht so wichtig ist, oder eben eine zweite Tasche/einen zweiten Satz befüllen. Faustregel: Wenn der Leser einen Satz zweimal lesen muss, um Anfang und Ende zusammenzubringen, ist was schiefgelaufen.

Wir bei Anne Fries halten uns übrigens mit Vorschlägen für stilistische Verschönerungen dezent zurück. Schließlich sind die texterischen Entscheidungen bei unseren Kunden meistens längst getroffen und die Formulierungen abgestimmt. Benötigen Sie dennoch ein Stil-Upgrade? Dann geben Sie uns einfach Bescheid: Wir bügeln, flicken, raffen und kürzen mit Sachverstand und Augenmaß. Versprochen.

*Philip Dormer Stanhope, 4. Earl of Chesterfield.

 

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